Es war ein gemütlicher Abend im März, er saß an seinem Couchtisch und legte entspannt die Füße hoch. Er war gerade dabei eine Tasse Tee zu trinken und sich seine Lieblingssendung im Fernsehen anzuschauen, als plötzlich sein Handy klingelte. Er kannte dieses Geräusch sehr gut, natürlich, wer kennt nicht den Klngelton seines Handys, doch er hatte eine böse Vorahnung wer ihn da anrufen könnte. Er wollte erst gar nicht auf sein Handy schauen, er hatte keine Lust sich jetzt damit zu befassen, schließlich hatte er Urlaub und entspannte sich gerade einmal. Doch nach kurzem Zögern entschloss er sich schließlich doch dazu, einen Blick aufs Display zu wagen, denn es konnte ja auch sein, dass es ein wichtiger Anruf war. Er zog in routinierter Bewegung das Handy aus der Tasche, drehte es wie immer einmal in zwischen den Fingern und schaute aufs Display, während noch immer der Klingelton aus dem kleinen Lautsprecher kam. `Ich wusste es´, dachte er. `Warum gerade jetzt?´ Er starrte auf das bläulich leuchtende Display und versuchte vergeblich ein Paar mal tief durchzuatmen. Widerwillig, aber doch im klaren darüber was nun passieren würde, bewegte er das Handy an sein linkes Ohr, drückte den grünen Knopf in der kleinen Tastatur und wartete. Er meldete sich nicht, er sagte nichts, keinen Ton, sondern wartete einfach auf das was da kommen würde.

Ein seichtes "Hey...", kam aus dem Lautsprecher den er wie verkrampft an sein Ohr presste. Er merkte bereits an dem Unterton in diesem einen Wort, dass es unheimlich nach Entschuldigung klang. "Ich bins..." hörte er weiter, immernoch mit dem selben Unterton. Er merkte was in ihm geschah, er war schon immer ein Mensch, der gern bereit war zu vergeben, doch diesmal nicht, diesmal wollte er seine Natur besiegen auch wenn er es bereuen würde. Er war fest entschlossen eiskalt zu bleiben. Kurz und knapp sagte er ernst "Sag einfach was du sagen willst."

"Hör zu... bitte... ich... es..." , er wartete missmutig aber geduldig darauf, endlich eine vernünftige Satzstruktur zu hören. Er schwieg einfach und wartete. "Mann, komm schon, du weißt doch dass es mit leid tut. Ich... ich weiß auch nicht warum das passiert ist, ich meine, es ist halt einfach passiert." Er hörte sich jedes Wort aufmerksam an und saugte es auf, er nahm es an, verarbeitete es, drehte es zwei drei mal in seinem Kopf, fügte eine Wertung ein und speicherte es ab. So kam es ihm vor als er diese Worte hörte, er war unglaublich konzentriert und hellwach. Er antwortete nichts und hörte einfach weiterhin konzentriert zu.

"Ich mein, hey, was hätt ich denn machen sollen? Die ganze Situation, das ganze drum herum, ich konnte doch nichts dafür. Ich weiß das kannst du nicht verstehen, aber vielleicht kannst du dich ein bischen in meine Lage hineinverstzen..." `Du konntest nichts dafür?´, dachte er entsetzt. `Du willst mich wohl verarschen, du konntest nichts dafür! Natürlich konntest du was dafür!´ Es brodelte in ihm, er hasste es gesagt zu bekommen, dass er etwas nicht verstehen könne. Er bewahrte aber die Ruhe, auch wenn es ihm schwer fiel.

"Ich weiß es war wirklich... ja man muss es so sagen es war einfach scheiße ok? Ich weiß es ja, aber was soll ich denn machen jetzt ist es passiert und es tut mir leid! Es tut mir leid, hörst du! Ich kann es nicht ändern... Ich würde gern aber ich kann nicht." Die Stimme die er hörte schwankte zwischen Unverständnis über seine Reaktion und Resignation. Der ihm angeborene Hang zu Vergeben machte sich in ihm breit, er konnte es nicht haben jemanden leiden zu sehen oder zu hören wenn er etwas daran ändern konnte. Aber er blockte diese Gedanken ab, er sagte nichts, blieb absolut ruhig und berechnend, ließ sich nicht erweichen. 

"Ich merke schon, du willst nicht mit mir reden... Das kann ich gut verstehen, du hast mir ja erzählt was dir bisher so widerfahren ist, auch wenn du es erst nicht wolltest. Ich weiß, ich habe dir gesagt du sollst dir nicht zu viele gedanken darüber machen, nicht so viel angst davor haben, aber jetzt... naja, jetzt weiß ich, dass das keine so gute Idee war. Ich konnte es vorher nicht wissen, das es so kommen würde, es tut mir leid... es tut mir wirklich leid..... Naja gut, da du nichts sagst, werde ich jetzt auflegen. Es tut mir leid, ich möchte dass du das weißt. Und ich hab dich immernoch verdammt gern. Und auch wenn wir uns nicht mehr sehen, bitte verzeih mir..."

"Das tu ich..." erwiderte er sofort und legte ohne eine Antwort abzuwarten auf.