Er kam mit schweren schritten nach hause. die tasche auf dem rücken wog schwer. sie quälte ihn. dabei war sie fast leer. vor der tür blieb er stehen, griff mit eiskalten schon etwas taub gewordenen fingern in die linke hosentasche. er suchte neben dem handy, das schon wieder in zwei teile zerfallen war nach dem schlüssel. er fand ihn schließlich, zog ihn wie schon tausend mal zuvor aus der tasche. doch der schlüssel blieb an der tasche hängen und viel zu boden. gerade heute, dachte er, heute geht alles schief... er bückte sich um den schlüssel aufzuheben. seine tasche rutschte nach vorn und die thermoskanne knallte mit einem dumpfen geräusch gegen seinen hinterkopf. war ja klar... er hob den schlüssel auf, steckte ihn in das schloss und öffnete die Tür. Sein hund begrüsste ihn stürmisch, sprang an ihm hoch. Er wusste genau dass der hund das nicht durfte, doch er war zu deprimiert um es dem hund zu verbieten. in diesem moment zerriss der hund mit seinen krallen das hemd das er trug, einen langen riss vom bauchnabel bis runter zum ende in zwei teile. doch es störte ihn scheinbar gar nicht, er hing einfach den schlüssel an den haken, ging mit gesektem kopf in richtung treppe. als er noch einmal von der treppe herab schaute, sah er den hund, wie er gerade ein kissen in tausend einzelteile zerpflückte. kopfschüttelnd ging er die treppe hoch, öffnete die tür und warf seine tasche in die ecke. er schloss die tür hinter sich und zog sich, wie es junge leute nun mal so tun, die schuhe aus ohne die hände zu benutzen. er zog einen hacken aus dem schuh, schleuderte ihn in die ecke, zog den anderen hacken heraus, und traf mit dem schuh mitten in den spiegel. jap, auch das... dachte er. Er nahm seinen funkkopfhörer, drehte die musik auf und genoss es den schmerz in den ohren zu spüren. er wollte sich einfach auf sein bett fallen lassen, alles von sich weisen, alles vergessen, vielleicht seine sorgen im alkohol ertränken um sich nicht seinen gedanken stellen zu müssen. doch nun lagen die scherben des spiegels auf dem bett. scherben bringen glück hab ich gehört. mit diesen worten fing er an die scherben einzusammeln und einzeln in den mülleimer zu schmeißen, in dem sie noch einmal, wie er fand, so schön klirrten wenn sie abermals zerbrachen. als er die letzte scherbe hinein geworfen hatte, schaute er sich sein werk nochmal an. er beugte sich über den mülleimer und schaute hinein. in diesem moment klirrte auch schon der kopfhörer mitten in die scherben. zum kotzen! schrie er laut und griff nach dem kopfhörer. eine von den großen scherben die bis zur öffnung des mülleimers reichte schlitzte ihm dabei den unterarm auf. er blieb ruhig. er nahm den kopfhörer, setzte ihn wieder auf, und schaute herab in die scherben. das blut floss über seinen arm, über seine hand und tropfte in den mülleiner. jeder tropfen blut war bestimmt mehr als zwanzig mal in den scherben des spiegels zu sehen. es wurde immer mehr. es beunruhigte ihn. das adrenalin erweckte ihn aus seiner starre. er öffnete die tür, machte einen schritt heraus und blieb erschrocken stehen. er blickte in den spiegel, der, gegenüber seiner tür, etwa drei meter entfernt an der wand hing. er erblickte einen jungen mann. er hatte ein zerrissenes hemd an. sein gesicht und seine blonden haare waren blutverschmiert. das schmale gesicht im spiegel starrte ihn an. es passt zu dir, dachte er. zerrissene kleidung, blutverschmiert, müde augen, eingefallene wangen, hervorstehende wangenknochen. er zog das kaputte hemd aus um zu schauen ob er dann vielleicht nicht mehr so erbärmlich aussähe. das hemd sog das blut von seinem arm auf und und fiel lautlos zu boden. das blut lief jetzt wieder frisch über seinen arm. hm, jetzt siehst du nicht mehr aus wie ein mörder, jetzt siehst du nur noch aus wie halb verhungert und frisch verprügelt. auch nicht schlecht. er ging ein paar schritte auf den spiegel zu. starrte sich in sein ungeliebtes antlitz. er klatschte seine blutüberlaufende hand mitten ins gesicht. das blut spritzte in alle richtungen und bis an den spiegel. er löste die hand wieder und schaute auf den blutigen handabdruck in seinem gesicht. jetzt ist es perfekt, dachte er. so müsste es immer bleiben... er hörte wie der hund unten weiter das kissen zerpflückte. plötzlich entdeckte er hinter seinem spiegelbild die uhr an der wand. kurz vor fünf. um halb sechs kommt mein vater nach hause, hörte er sich erschrocken in gedanken sagen. er flitzte die treppe herunter, wusch sein gesicht, seine haare, seinen arm. das wasser war rot vom blut und färbte das waschbecken. er verband seinen arm, schickte den hund ins körbchen, sammelte die kissenreste in einem müllsack, reinigte das waschbecken mit einem lappen, lief nach oben, warf auch das hemd in den müllsack, warf diesen in den mülleimer, zog sich ein neues hemd an, verdeckte dern verband mit langen ärmeln, säuberte den kopfhörer mit dem lappen, genauso den blutverschmierten spiegel und setzte sich vor den Fernseher. sein vater kam nach hause und umarmte ihn wie jeden abend.